Ein Abend zu queeren Biografien im Nationalsozialismus
In der Weimarer Republik war die Nachbarschaft rund ums Jüdische Museum Berlin – neben anderen Orten in Berlin – für ihr ausschweifendes queeres Kultur- und Nachtleben bekannt: Magnus Hirschfeld eröffnete mit dem weltweit ersten Institut für Sexualwissenschaften einen safe space für homosexuelle und trans Personen. Es wurde von den Nazis als „jüdisch“ diffamiert und gewaltsam geschlossen. Mit der zunehmenden Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden viele, auch jüdische Protagonist*innen der Community in Lager deportiert oder mussten emigrieren.
Zusammen mit dem amerikanischen Autor und Podcaster Eric Marcus holen wir an diesem Abend ihre Stimmen zurück nach Berlin und hören Zeitzeug*innen-Interviews, die im Rahmen von Marcus’ Podcast Making Gay History entstanden sind. Im Anschluss sprechen Eric Marcus, die Literaturwissenschaftlerin Janin Afken und Historiker*in Kai*Brust über die Herausforderungen, die die Recherche von LGBTQIA*-Biografien in Archiven und Museumssammlungen mit sich bringt.
Wie können wir unterschiedliche und miteinander verknüpfte Verfolgungserfahrungen rekonstruieren? Ist die heute verbreitete Bezeichnung „queer“ für die historische Analyse angemessen? Und wie lassen sich lesbische, schwule und trans Lebensgeschichten überhaupt in Archiven finden, die diese durch ihre Ordnungen oft unsichtbar machen?
Moderation: Anika Reichwald, Kuratorin der Dauerausstellung des JMB
In Kooperation mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld